Fairphone: genau wissen, wofür man bezahlt

Warum kostet ein iPhone eigentlich so viel, wenn man immer wieder hört und liest, dass die Produktion des iPhone 5 bei etwa €150,- Euro liegt? Verdient Apple daran so viel? Verdienen die Lieferanten der einzelnen Komponenten denn gar nichts daran? Und die Rohstoffe? Sind die dann etwa minderwertig, wenn sie in so günstige Bauteile verarbeitet werden? Eine kleiner aber feiner Einblick in die Produtkion von Smartphones am Beispiel des neuen Fairphone.

Einem Zeitungsartikel zufolge beträgt die durchschnittliche Lebensdauer eines Smartphones etwa zwei Jahre. Zumindest nach diesem Zeitraum tauschen viele Smartphone Besitzer ihr vorhandenes Gerät gegen ein aktuelleres Modell aus. Es gibt Schätzungen wonach allein in Deutschland etwa 86 Millionen Alt-Handys in irgendwelchen Schubladen verstauben. Da erhebt sich zwangsläufig die Frage, woher die wertvollen Rohstoffe, welche in so einem Gerät verbaut sind (etwa 320 verschiedene!) eigentlich kommen.

Rohstoffe der Smartphones: Ausbeute von Natur und Mensch

Fairphone LogoSeit Jahren bringen Sommerlöcher Negativschlagzeilen der grünen Presse zu Tage, dass an diesen Rohstoffen das Blut von ausgebeuteten Minen-Arbeitern klebt, welche unter unwürdigen Bedingen die so genannten „seltenen Erden“ wie zum Beispiel Zinn, Tantal und Gold abbauen. Auch heißt es des Öfteren, dass die Gewinne aus diesen Minen zur Finanzierung von Kriegen verwendet werden. Grund genug für eine findige und innovative Firma in Holland ein Smartphone zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, dessen Komponenten aus fairem Handel (Fair Trade) stammen: Das Fairphone. 25.000 Stück wurden bereits verkauft. Ich möchte während der Bestellphase für die zweite Lieferung, die für Januar 2014 angekündigt wurde, ein bisschen über dieses Bio-Handy berichten.

Die Macher wollen spezielle Abkommen mit den Minenarbeitern, zu denen auch schwangere Frauen und Kinder zählen, treffen und die notwendigen Rohstoffe wie Tantal direkt kaufen, anstatt über die kurrupten ausbeuterischen Zwischenhändler. Das soll den Leuten in Afrika, wo viele Ressourcen herstammen, das Einkommen verdoppeln und gleichzeitig die Notwendigkeit von Kinderarbeit abschaffen. Ein hohes Ziel und nicht ganz ungefährlich, wenn man bedenkt, dass in diesen Ländern politische Unruhen herrschen und selbsternannte Kriegsherren ungern ihre Einnahmequellen versiegen sehen.

Es gibt ein deutschsprachiges Video bei arte hier, das ich leider nicht einbinden kann… ach arte..

Von der Idee zum „Fairphone“

Wie kam es jetzt dazu, dass eine Hand voll Niederländer und mehrere Fachleute aus diversen Bereichen der Industrie und Werbewelt, die unter anderem auch in Deutschland sitzen, gemeinsam ein neues Smartphone entwickeln? Zunächst einmal stand die Idee im Raum ein Smartphone zu produzieren, welches ökologisch vertretbar ist und trotzdem allen Anforderungen hinsichtlich der technischen Ausstattungen eines modernen Smartphones gerecht werden kann, ohne, dass der Endpreis astronomische Höhen erreicht. Denn letztlich soll sich das Gerät ja auch zwischen den bereits vorhandenen Platzhirschen als echte Alternative etablieren.

Fairphone: Front, Rückseite, Akku und Abdeckplatte

Fairphone: Front, Rückseite, Akku und Abdeckplatte

Dass das Fairphone eine echte Chance auf dem hart umkämpften Markt hat, lässt sich ohne Frage eindeutig belegen. Schon die Finanzierung der Produktion des Fairphones hebt sich deutlich vom üblichen Prozedere ab. „Crowdfunding“ heißt das Zauberwort, was nichts weiter bedeutet, als dass die Idee im Vorfeld verkauft wurde, das Produkt aber erst danach in Produktion ging. Das kann man mit einer Genossenschaft vergleichen, bei der „Anteile“ eines noch nicht vorhanenden Endergebnisses schon vorab an die Teilhaber verkauft werden. Innerhalb kürzester Zeit stand somit die Finanzierung und das Telefon wurde in die Produktion gegeben. Das geschieht in handverlesenen asiatischen Betrieben. Der Gesamte organisatorische Ablauf sowie der Vertrieb wird zentral über den Firmensitz in den Niederlanden gesteuert. Neben dem niederländischen Kommunikationsunternehmen haben auch zwei deutsche Anbieter Interesse angemeldet.

Ausstattung

Ihr findet sicher genug Datenblätter im Internet und Men’s Choice ist keine Handyseite, aber ein paar nennenswerte Eckdaten möchte ich der Vollständigkeit halber doch aufführen. Neben 16 GB internem Speicher, der durch zwei Sim-Karten (ja, Dual-Sim!) erweiterbar ist kann man sich über ein sehr kratzfestes Display mit 11cm Bilddiagonale freuen. Trotz des günstigesn Preises wurde ein Quad-Core Prozessor mit 4 1,2 Ghz Kernen verbaut. Die Frontkamera schießt Bilder mit 8 Megapixeln, die rückwärtige Kamera mit 1,3MP, was für Videotelefonie sexy selfies vorm Spiegel ausreicht. Das Betriebssystem Android 4.2 (optisch modifiziert) sieht super aus:

Kosten für jeden auf den € genau einsehbar

Im Gegensatz zu wirtschaftlich rentabel agierenden Firmen veröffentlicht Fairphone die Produktionskosten auf deren englischer Webseite http://www.fairphone.com/ als PDF Dokument mit Stand vom September 2013 (link). Je nach Marktpreise der Bauteile kann sich diese Liste alle paar Monate ändern.

Produktionskosten des Fairphone

Produktionskosten des Fairphone in englisch (klicken zum Vergrößern)

Die Kosten schlüsseln sich auf in Arbeitsstunden der Konzepter, Entwickler, Designer und in die reinen Materialkosten für Bauteile wie Prozessoren. Aber auch Kosten wie Steuern, Lagerung und Logistik sind präzise genannt, ebenso wie der Gewinn der Händler, von denen man es beziehen kann. Dieser liegt bei gerade einmal €4,25 Euro. Dafür wird sich wohl kein MediaMarkt die Füße ausreißen. Ich denke daher, dass man das Fairphone wie bisher am ehesten im hauseigenen Onlineshop bestellen sollte, wenn man eines kaufen möchte.

Was meint Ihr? Wäre das für Euch interessant? Ich bin tatsächlich am Überlegen. Jedenfalls liked und teilt diesen Artikel, wenn Ihr die Idee auch so genial und gut findet. Besonders jetzt zur Weihnachtszeit! 😉

Benjamin könnte töten für zweifingerdicke, gut marmorierte Steaks und rauchige Grillsoßen, alte Amischlitten und einen Platz in der ersten Reihe bei der Bikinitrampolin-WM. Er schreibt bei Men's Choice über alles, was ihm an dieser Männerwelt so gefällt und legt dabei oft den Fokus auf Gadgets und Nerdiges.

Pinterest
EmailEmail